Fragen und Mythen zur Therapeutischen Sprachgestaltung

Nein, das ist es nicht. Therapeutische Sprachgestaltung hat Überschneidungen mit der Logopädie, aber es ist nicht dasselbe. Im Zentrum der logopädischen Therapie steht die Verbesserung der Kommunikationskompetenz (das können z.B. Sprachentwicklungsstörungen, Stimmprobleme oder eine Aphasie sein). Die Therapeutische Sprachgestaltung kann auch diese behandeln, zielt aber auch auf ganz andere Krankheitsbilder: sie hilft z.B. auch bei Bluthochdruck oder Panikattacken. (weiter geht’s bei: Was macht man in der Therapie?) 

Ich kenne das Gefühl total gut: früher bin ich immer rot geworden, sobald mir jemand beim Sprechen zugehört hat, und ich wusste dann auch nicht mehr, was ich eigentlich sagen wollte. Das ist sehr unangenehm! Ich bin in jeder Therapiestunde bemüht, eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen, so dass (hoffentlich) gar nicht erst das Gefühl aufkommt, dass Du „etwas vortragen“ musst. Wir sind ein Team auf dem Weg zu Deinem Ziel. 

Nein, man muss nicht daran glauben – man kann es ziemlich schnell an sich erleben. Der Atem ist ein ganz zentraler Vorgang in unserem Organismus und hängt unmittelbar mit unserem Wohlbefinden und Erleben zusammen. Sprechen bedeutet immer: den Atem gestalten, sowohl die Einatmung wie auch die Ausatmung. Weil der Atem ganz eng mit vielen anderen Abläufen in unserem Körper verbunden ist (z.B. dem Blutdruck, der Anspannung oder dem seelischen Befinden) können wir durch eine gestaltete Atemführung auch mittelbar auf diese ganzen Prozesse wirken. Mir ist es wichtig, in der Therapie auch die Aufmerksamkeit zu schulen, wie sich der eigene Körper und das eigene Sein gerade anfühlt. Darum ist Therapeutische Sprachgestaltung teilweise auch ein Achtsamkeitstraining. 

Nein, das muss man nicht. Die Therapeutische Sprachgestaltung ist für alle Menschen geeignet. Anthroposophische Inhalte sind nicht Gegenstand in der Therapie. Wir arbeiten mit der Sprache, sowohl mit ihren Einzelteilen (wie Buchstaben, Silben und Wörtern) aber auch mit Texten. 

Das macht gar nichts! Es ist nicht die Voraussetzung, dass Du irgendetwas auswendig kannst. Ich spreche Dir alles vor und Du kannst wiederholen, oder wir haben einen Spickzettel, so dass Du lesen kannst, was jetzt gleich kommt… 

Ich hoffe nicht! Ich möchte, dass wir in einen gemeinsamen Prozess kommen: Du, ich, die Sprache und das Sprechen. Ich mache manchmal Vorschläge und spreche Dir etwas vor, das anders ist, als Du es vielleicht von Dir gewohnt bist. Aber das sind Einladungen, auf dem Spielplatz des Sprechens mal was auszuprobieren, was Du vielleicht noch nie gemacht hast. Und das Gute ist: es bleibt immer unter uns. Du kannst also auch mal richtig laut brüllen, wenn Du das mal ausprobieren möchtest!

Zuerst lernen wir uns kennen und besprechen Dein Anliegen. Dann machen wir ein kleines warm-up und dann beschäftigen wir uns in Sprech- und Atemübungen mit den verschiedenen Facetten Deines Anliegens. Manchmal üben wir „nur“ Buchstaben! Das kannst Du Dir jetzt vielleicht nicht vorstellen, aber jeder Buchstabe ist eine Welt für sich… das ist alles sehr spannend zu erleben. Manchmal sprechen wir aber auch Gedichte… (und zwischen Buchstaben und Texten ist alles andere auch möglich). Sehr oft suchen wir Bewegungen, die zu Dir und zu dem, was wir gerade sprechen, passen und es verstärken, denn die grossen Bewegungen mit dem Körper unterstützen die kleinen, feinen Bewegungen, die das Sprechen macht. 

Ja, das gibt es. Meine Kolleg:innen haben mit Pneumolog:innen zusammen 2018 eine Studie zur Wirksamkeit von Therapeutischer Sprachgestaltung bei Asthma gemacht (hier ist sie auf englisch:https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6019518/).

2017 ist eine Studie publiziert worden zum Thema Therapeutische Sprachgestaltung bei Arterieller Hypertonie (Bluthochdruck) (hier ist sie auf englisch: https://journals.sagepub.com/doi/10.1089/acm.2017.0158?url_ver=Z39.88-2003&rfr_id=ori:rid:crossref.org&rfr_dat=cr_pub%20%200pubmed)

Im Moment bereiten wir eine Studie zur Wirkung bei Chronischer Rhinosinusitis vor. 

Viele Einzelfallstudien sind veröffentlich im Magazin „Der Merkurstab“ (allerdings sind die Artikel kostenpflichtig…): dort gibt es z.B. Artikel zu Burnout, Onkologie, Bluthochdruck oder Schmerzpatienten.

Mmmh, leider kann ich das nicht eindeutig beantworten: es hängt davon ab, welche Zusatzversicherung man hat. Die obligatorische Grundversicherung zahlt nichts an die Therapie. Aber einige Zusatzversicherungen übernehmen je nach gewähltem Vertragsmodell einen Teil der Kosten. Es lohnt sich, VOR Beginn der Therapie nachzufragen, wenn man Überraschungen vermeiden will. Meistens muss man dort meinen Namen und meine ZSR-Nummer sagen (und die ist A 939462).